Unberührt: DIY Websitebuilder

Gefühlt jeder zehnte Clip auf der monetarisierten Video-Plattform YouTube bewirbt (für mein Profil) die Möglichkeit eigene Weblösungen aufzubauen. So soll es möglich sein in kürzester Zeit eine eigene Webseite zu kreiieren. Doch was steckt dahinter? Das ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Ich habe den Internetauftritt aller gängigen Websitebuilder studiert und stelle fest, dass bei allen grossen, namenhaften Firmen Nachhaltigkeit (noch) kein Thema ist.

 

Die Idee ist gut und ich wünsche mir für die digitale Welt, dass sich dieses Feld verändert. Wenn Webseite-Builder ethisch unbedenklich wären, könnte ich mir auch vorstellen sie für kleinere Aufträge einzusetzen. Und so stünde auch WenigverdienerInnen eine etwas günstigereMöglichkeit offen, die auch ethisch vertretbar ist.

Beim Verwenden einer DIY-Webbuilder Lösung sollte man folgendes bedenken:

  • Das Internet ist kein Phantom. Jede Webseite läuft auf einem Server meistens in Rechenzentren. Welcher Server das ist entscheidet der jeweilige Anbieter von Website-Buildern (das sind zB wix, jimdo, webflow etc). Wenn nichts genaueres auf der Website steht und transparent gemacht ist, kann man davon ausgehen, dass kein nachhaltiger Strom eingesetzt wird, um die Server zu betreiben. Es wird gemäss unserem Zeitgeist wahrscheinlich die günstigste Variante genommen, sei das nun gerade Öl, Gas oder Kohle. Ohne Strom würde eine Webseite nicht laufen. Webseiten sind in der Regel Tag und Nacht erreichbar. Folglich wird 24 Stunden, 365 Tage im Jahr Strom aus ominösen Quellen verbrannt, damit die Webseite online und erreichbar sein kann.
  • Es geschieht in Windeseile und ist unsichtbar, aber dennoch existent: Beim Besuchen einer Webseite schickt Dein Browser eine Nachricht an den Server. Der Browser möchte vom Server die Struktur der Seite, die Bilder und Texte zugeschickt bekommen. Aus dieser Antwort baut Dein Browser dann die Seite zusammen so dass Du sie sehen und benutzen kannst. Als Webentwickler versteht man die Kommunikation zwischen Browser und Server. Man kann genau programmieren, was auf dem Server passiert, wenn der Browser bei ihm via Glasfaser anklopft, um Struktur, Bilder und Texte zu erhalten. In kleinen massgeschneiderten Systemen liegen die Texte und Bilder an der richtigen Stelle bereit und der Server muss nicht mehr viel tun und schickt sie lediglich wunschgemäss zurück. In grossen Systemen, werden wegen der hohen Variabilität tendentiell eher mehr bzw. teurere Rechenoperationen ausgeführt und teilweise quer-requests an wieder-andere Server geschickt. All das benötigt einiges an Strom. Kurzgesagt: Jeder Seitenaufruf eines Besuchers Deiner Webseite zieht zusätzlich zu der generellen Inbetriebnahme Strom vom Netz. Bei massentauglichen Lösungen ist das mehr Strom, bei massgeschneiderten Lösungen ist das weniger Strom. Gleichzeitig spricht für grossangelegtes Hosting, dass die Ressourcen besser verteilt werden können. Da Website-Builder eine riesige Kundenbasis haben, haben sie grosses Potential Ressourcen optimal zu verteilen. In diesem Punkt sind also Website-Builder massgeschneiderten Lösungen nicht umbedingt im Nachteil. 
  • Die grossen DIY Website-Builder verwenden standardmässig Tools, die die Privatssphäre Deiner Webpage-Benutzer nicht respektieren und an google&Co weitergeben.
  • Webseite-Builder werden von Entwicklerinnen und Entwicklern programmiert, gewartet und verbessert. Man hat es mit der Katze im Sack zu tun. Potentiell unterstützt man Outsourcing-Entwicklung, das heisst, dass die Software günstig im Ausland entwickelt wird, wo die Programmierenden zu Bedingungen angestellt sind, die unserer generellen schweiz-lokalen zwischenmenschlichen Ethik zuwider-läuft.

Aus diesen Gründen finde ich alle gängigen DIY-Website-Lösungen bisher klar fragwürdig und verwende sie nicht, kann deshalb auch keine Empfehlungen aussprechen. Ich sehe das kreative Potential darin und respektiere den Einsatz für ein zugängliches internet. Ich wünsche mir, dass in diesem Bereich nachhaltige Alternativen entstehen oder sogar die grossen Firmen in allen ethischen Bereichen aufräumen und klare Haltung beziehen. Wenn ich ein paar motivierte und visionäre EntwicklerInnen finde, starte ich vielleicht auch ein mal selbst eine Kampagne für nachhaltige Website-Builder.

Hat Dir der Artikel gefallen? Bist Du ebenfalls vom Fach, hast vielleicht ergänzende Gedanken oder noch klarere Insights in das Geschäft und die Hintergründe von Website-Buildern? Ist Dir Nachhaltigkeit im Web genauso ein Anliegen wie mir? Hast Du Erfahrungen gemacht, kennst Du Studien oder hast weitere Gedanken dazu? Ich freue mich sehr über Deine Nachricht und einen gemeinsamen Exkurs: